100 Jahre Kirchengemeinde Ehra:
So hat alles einmal begonnen:

Aus dem Festgottesdienst zur 100-Jahr-Feier am Pfingstsonntag:
Aus der Ansprache von
Kirchenvorsteherin Charlotte Maue zum 100-jährigen Jubiläum der
Kirchengemeinde Ehra
Kirche für Sie –
Kirche mit Ihnen
Liebe Gäste, vor sieben Jahren (beim 100-jährigen Jubiläum der Michaelis-Kirche) hatten wir uns ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: es wäre reizvoll gewesen, zu dem heutigen Jubiläum eine lückenlose Liste mit all jenen aufzuführen, die das Leben unserer Kirchengemeinde durch die Jahrzehnte hindurch geprägt haben: d.h. also die Liste der Pastoren um die Liste aller Küster, Organisten, Kantoren, und letztendlich der ehrenamtlichen Mitarbeiter zu ergänzen. Leider war es uns nicht möglich, erschöpfende Quellen dazu aufzutreiben (und eine lückenhafte Auflistung scheiterte im letzten Moment).
Es wäre reizvoll gewesen, zu erfahren, wann z.B. der Frauenkreis seine Arbeit begann, wann der Posaunenchor seine besten Jahre hatte, wie viele Anläufe zu Bibelgesprächsgruppen es gegeben hat; bis wann die Hermannsburger Missionsfeste gefeiert wurden; wie die Besuchsdienstarbeit in den 50-er Jahren aussah u.s.w. Letztlich bleibt festzuhalten, dass die Kontinuität des kirchlichen Auftrags und der kirchlichen Arbeit von Anfang an gegeben war und dass auch in Ehra nichts beständiger war als der Wandel und man sich darum immer wieder neu gefragt hat: wie können wir die christliche Botschaft für unsere Zeit sprachfähig machen.
Einige von Ihnen haben sicherlich noch das eine oder
andere Gesicht vor Augen:
- den Kirchenvorsteher, der in den sechziger,
siebziger und achtziger Jahren das Gesicht der Michaelis-Kirche
mitgeprägt hat;
- den Organisten, der 25 Jahre lang diente;
- die betagte Küsterin, die von Kind auf mit Kirche
und Pfarrhof verbunden war;
- den Lehrer und Kantor, der den theologischen
Streitgesprächen seines Pastors durchaus gewachsen war;
- den Mann, für den Posaunenchorarbeit ein Stück
Lebenswerk war und der es schaffte, eine Brücke vom Posaunenchor der
60-er Jahre in unsere Zeit zu bauen;
- den braven Kirchensteuerzahler, der immer signalisierte: ich hab’s zwar nicht so mit dem Mitmachen, aber ich bin dabei und auf meine Kirchensteuer und meine Spende könnt ihr zählen.
Sie alle reihen sich ein in die Kette all jener,
deren Namen nicht jeden Tag genannt werden, die aber mit dazu
beigetragen haben, dass wir mit Dank auf das letzte Jahrhundert
zurückblicken dürfen: dankend dürfen wir das Engagement all jener
würdigen, die es möglich gemacht haben, dass unsere Kirchengemeinde
heute ein Gesicht hat, finanziell und gebäudetechnisch für unsere Zeit
durchaus angemessen ausgestattet ist und auch vertrauensvoll in die
Zukunft blicken kann.
Und diesen vertrauensvollen Blick in die Zukunft brauchen wir. Denn Kirche schlägt sich nicht nieder in Mauern und Finanzen, sondern in Köpfen und Herzen: wir brauchen Köpfe, die den Mut haben, den Traum einer Kirche von morgen zu träumen und wir brauchen Herzen die die nötige Wärme einbringen, diesen Traum anzupacken. Darum zählen wir auch in Zukunft auf Sie alle: vor einiger Zeit haben wir uns als Kirchengemeinde ein Motto gegeben und wir wollen damit nicht nur die Diskussion um ein Leitbild unserer Kirchengemeinde anschieben:
Kirche für Sie – Kirche mit Ihnen.
Wir wollen als Kirche da sein für Menschen, die an den Schnittpunkten ihres Lebens Orientierung, Betreuung und Begleitung suchen. Die Botschaft von Jesus Christus, der Gottes Liebe zu den Menschen gebracht hat, wollen wir heute und morgen sprachfähig machen und gerade Sie daran beteiligen: in die Vielfaltigkeit und Vielgestaltigkeit kirchlichen Lebens darf jeder sich einbringen, seine geistlichen Wurzeln und seine geistliche Heimat entdecken und sich sagen: ich bin dabei. Da mache ich gerne mit!
In durchaus krisengeschüttelter Zeit hat der 2.
ökumenische Kirchentag am vergangenen Sonntag eine deutliche Botschaft
lanciert: „lasst uns gemeinsam einen neuen Aufbruch wagen.“ Nicht nur
auf dem Hintergrund dieses Kirchentags gibt es die Wahrnehmung, dass man
heute an der Basis durchaus fragt, wie die Kirche in zehn, zwanzig oder
dreißig Jahren aussehen wird. Bei einer reichen Vielfalt an
Zukunftsmodellen schlägt immer wieder eines durch: Kirche wird nicht von
Finanzplanern und nicht von Kirchenfürsten gemacht werden, sondern sie
wird an der Basis gelebt werden. Es wird ganz wichtig sein, starke und
geistlich kompetente Zentren vor Ort zu haben.
Unsere Wunschvorstellung ist, in diese Richtung zu steuern – als
Kirchengemeinde und als Teil einer Kirchenregion.
Darum zählen wir auf Sie.
Vor sieben Jahren haben wir schon mal eine Aktion gestartet, unsere Gemeindeglieder bewusster am kirchlichen Leben zu interessieren und zu beteiligen. Damit wollen wir in diesem Jahr wieder ansetzen – unter neuen Vorzeichen...





